Videotriadischesklangfigurinenexperiment

Szenische Präsentation zu Oskar Schlemmer

20 Studierende des Studienganges Kunst in Aktion/Darstellendes Spiel erforschten mit ihren Dozenten bildnerisch, szenisch und klanglich den Bauhauskünstler Oskar Schlemmer. Es entstand auf der Basis von neu entwickelten Figurinen, Klang- und Bewegungskonzepten eine Bühnenpräsentation zwischen Theater und einer bewegten Ausstellung, die mit Elementen des „Theater der Bilder“, des Tanztheaters, der Performancekunst, der Videoarbeit, der Klangkunst und der Tradition Oskar Schlemmers spielt.
Das Projekt hatte zum Rundgang der HBK im Sommer 2007 Premiere und gastierte erfolgreich mit mehreren Aufführungen in Deutschland und der Schweiz. Aufführungsorte waren der Künstlerverein „Malkasten“ in Düsseldorf (November 2007), das Kleine Haus des Staatstheaters Braunschweig (Januar 2008), das„Theater der Künste“ in Zürich (April 2008) und die Vertretung des LandesNiedersachsen beim Bund in Berlin (April 2008).

Schlemmer und das Videotriadischeklangfigurinenexperiment
Der bildende Künstler Oskar Schlemmer (1888–1943) befand sich schon früh in einer bemerkenswerten Nähe zu den szenischen Künsten. Erste Überlegungen und Vorarbeiten zu seinem 1922 uraufgeführten Triadischen Ballett reichen zurück in das Jahr 1912. Unter seiner Leitung (1923-1929) entstanden an der Bauhausbühne zahlreiche weitere Bühnenwerke. Zu erklären ist dieses anhaltende Interesse aus Schlemmers Beschäftigung mit dem menschlichen Körper, den er in seiner Form, in seinen Bewegungen und im Verhältnis zu dem ihn umgebenden Raum zu erforschen suchte. Hieraus gewonnene mathematische Gesetzmäßigkeiten wurden zur Basis seiner gestalterischen Arbeit, die er als Grundlage einer höheren Freiheit des Menschen ansah: „Das Gesetz der Form gibt Freiheit des Ausdrucks.“
Schlemmers bildhafte Vorstellung von Theater verwirklichte sich in Kostümen, die die Eigenart des menschlichen Körpers durch Überformungen deutlich hervortreten ließen. Diese Kostüme, Figurinen genannt, konnten eine eigene künstlerische Position auf der Bühne behaupten. Als Ausgangspunkt für das aktuelle Bühnenwerk wurden neue Figurinen unter Verwendung heute gängiger Materialien entwickelt und gebaut. Im freien Experimentieren mit den Figurinen, mit ihren Formen, Klang-, Rhythmisierungs- und Bewegungsmöglichen, sind neue Gestaltungsqualitäten und Geschichten für die Bühne entstanden. Anders als bei Schlemmer, den man als einen Vertreter des Regietheaters charakterisieren kann, treffen in dem aktuellen Projekt verschiedene Kunstformen in Gestalt verschiedener Künstler auf der Bühne zusammen.
Prof. Dr. Dorothea Hilliger

Eindrücke von Studenten zum Gestaltungsprozess

Wir waren im künstlerischen Gestaltungsprozess wie auch in der theoretischen Auseinandersetzung auf der Suche nach Grenzüberschreitungen, nach Reibungsflächen und nach der Begegnung mit dem Fremden, dem Austasten und Erforschen von Grenzen, dem Spiel zwischen scheinbar Widersprüchlichem, zwischen Formstrenge und freiem Experimentieren, und erkundeten, begegneten und gestalteten so eine eigene autonome Kunstwelt.
Anne Hartmann

Die Spieler nähern sich den Figurinen mit einem "Forscherblick". Sie untersuchen Form und Material, spüren Innenräume (Beispiel Kegel) und Materialakustik auf, prüfen Gewicht, Fortbewegungsmöglichkeiten, Mechanik und Eigenbewegungen, befestigen die Figurinen am Körper, untersuchen das Verhältnis der Figurinen zum Körper. Es wird gestöbert, gefunden, verworfen, wahrgenommen und begleitet, was in Gang gesetzt wurde. Die Spieler erleben Überraschungen und Einschränkungen. Das Material nimmt die Bewegungsimpulse des Spielers auf und führt sie weiter aus; sie müssen sich mit ihrem Körper der Objektform anpassen und sind in ihrenBewegungen begrenzt. Sie bewegen und werden bewegt.
Sandra Pauly


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