
Solarium
Eine fachübergreifende Ausstellung in einem von Studentinnen der Kunstwissenschaft organisierten Ausstellungsprojekt, gefördert durch die zentrale Vergabestelle von Studiengebühren und den Fördererkreis der HBK.
Einleitung
Während der Vernissage von Ovo Ki$$ - gradient mint / vermillion von Max Boss und Per Mertens, die an der HBK in den Klassen von Frances Scholz (Malerei) und Michael Brynntrup (Film) studieren, kam es zu einem Gespräch mit Lars von Zitzewitz und David Gaupp-Maier, die ebenfalls bei Frances Scholz studieren. Beide waren zum ersten Mal in der galerieherzblut und unmittelbar angetan von Raum und Konzept und äußerten Interesse an einer Zusammenarbeit. Tatsächlich trafen sich Vera Keidel, Lisa Grolig, David Gaupp-Meier und Lars von Zitzewitz nur wenige Tage später in der Blumenstraße, um erste Ideen zu besprechen. Lars und David dachten an eine Gruppenausstellung all jener, mit denen sie nicht nur die gemeinsame Arbeit in den Ateliers verbindet, sondern vor allem auch Freundschaft. Während des Atelierbesuchs bekamen Vera und Lisa nicht nur einen Überblick über die unterschiedlichen künstlerischen Positionen und Arbeitsweisen, sondern erfuhren auch, dass galerieherzblut bei den Künstlern weniger als ein Projekt der Kunstwissenschaft bekannt ist. Da in der Galerie bisher weder eine Gruppe von Künstlern, noch Malerei gezeigt wurden und darüber hinaus die Geste, sich über die Grenzen des eigenen Studienganges zu begegnen und zusammen zu arbeiten, auf beiden Seiten auf Interesse stieß, wurde noch am gleichen Abend die Zusammenarbeit beschlossen.
Solarium
Solarium ist eine Gruppenausstellung von 28 ausschließlich männlichen Künstlern der HBK aus den Klassen von Frances Scholz, Walter Dahn, Thomas Rentmeister, Olav Christopher Jenssen und Wolfgang Ellenrieder. Jeder Künstler ist an der Ausstellung mit jeweils einem eigens ausgewählten Werk beteiligt. Es gibt keine Einschränkungen oder Vorgaben die Größe oder das Sujet betreffend. Auch befinden sich die Künstler an unterschiedlichen Punkten ihres Studiums und so treffen innerhalb der Ausstellung die Werke von Drittsemestern auf Werke von Meisterschülern. Neben wenigen Photographien und Drucken, ist der Schwerpunkt der Ausstellung im Hinblick auf das Medium eindeutig die Malerei. Verbindende, jeweils das eigene Fachgebiet überspannende Elemente der Ausstellung sind der Galerieraum und die Hochschule.
Teilnehmende Künstler: Heiner von Alberti, Christopher Balassa, Dragutin Banic, Björn Bock, Philip Claasen, Johannes von Dassel, David Gaupp-Maier, Moritz Gramming, Otto von Hannover, Jan Michel Harmening, Filip Henin, Samuel Henne, Christof John, Simon Kraus, Paul Simon Krüger, Fabian Lehnert, Christof Loetscher, Tobias Maring, Per Mertens, Nicolai Nitsch, Ulrich Pester, Markus Saile, David Jonas Schoeneberg, Marcus Schüler, Ralph Schuster, Malte Struck, Martin Weiser, Frank Wunderlich und Lars von Zitzewitz.
Rückblick Solarium
Die Planungsphase der Ausstellung beginnt eigentlich unmittelbar während der Vernissage von Ovo Ki$$ - gradient mint/vermillion am 21. April 2011. Nur eine Woche später werden die anfänglichen Ideen einer gemeinsamen Ausstellung in der Blumenstraße konkretisiert und die Zusammenarbeit beschlossen. Während Lars und David im Atelier ihre Arbeiten zeigen und erklären, erklären Vera und Lisa das Galeriekonzept. Es kommt zu einem ersten Austausch zwischen Kunst und Wissenschaft, der so authentisch und entspannt und losgelöst von Seminaren oder anderen Hochschulveranstaltungen wie z.B. dem Rundgang leider nur selten stattfindet. Beide Seiten sind zudem begeistert von der Idee, zusammen zu arbeiten, voneinander zu profitieren und sich nicht nur besser kennen zu lernen, sondern auch sich gegenseitig zu inspirieren und sich zusammen ein Stück weiterzuentwickeln.
Zu diesem Zeitpunkt steht noch nicht fest, wie viele Künstler letztlich an der Ausstellung beteiligt sein werden, daher bleiben Lars und David für die gesamte Planungsphase die Ansprechpartner und Kontaktpersonen, über die sämtliche Informationen an alle beteiligten Künstler weitergegeben werden. Auch gibt es zu diesem Zeitpunkt noch keinen festen Ausstellungstitel. Das Konzept einer Gruppenausstellung mit ausschließlich männlichen Teilnehmern soll jedoch auf unterhaltsame Art und Weise aufgegriffen werden. Lars und David geht es in diesem Zusammenhang vor allem um die Atmosphäre während der Vernissage. Während des ersten Treffens wird bereits ein Datum für die Eröffnung sowie die Ausstellungsdauer festgelegt. Da Vera und Lisa für den Rundgang ein Galerie-internes Projekt planen, richtet sich die Ausstellungszeit vor allem nach der Eröffnung des Rundgangs 2011 und läuft aufgrund dessen nicht wie sonst über vier, sondern über drei volle Wochen.
Parallel zur Planungsphase zeigte die Klassen von Frances Scholz eine Ausstellung in Köln, was den Kontakt zu Lars und David zunächst ein- und auf Emails beschränkte. Tatsächlich konnte daher ein Großteil der Fragen, die die Teilnehmer, Raumgestaltung und Hängung betrafen, unfreiwillig erst kurze Zeit vor der Vernissage diskutiert werden. Vor allem die Gestaltung der Vorderseite des Einladungsflyers, die grundsätzlich von den ausstellenden Künstlern entworfen wird, führte leider zu Missverständnissen. Lars und David waren die Vermittler zwischen Vera und Lisa und 26 weiteren Künstlern und die Kommunikation litt etwas unter der großen Anzahl von Teilnehmern. Einige Informationen gingen auf den Kommunikationswegen verloren oder kamen im Stille-Post-Stil falsch am jeweils anderen Ende an. Und so umfasste die erste Version des Flyers Vorder- und Rückseite. Erstmals kam es zwischen Galerie und Künstlern zu ernsten Verhandlungen, die sich über mehrere Tage zogen. Schließlich wurde nach vielen Gesprächen, die zeigten, dass Galerie und Künstler die Position der jeweils anderen Seite durchaus nachvollziehen konnten, ein Kompromiss gefunden, der die Vorgaben der Galerie mit dem Entwurf der Künstler verband.
Die Konsequenz aus dieser Erfahrung ist, dass es bei einer Gruppenausstellung vor allem eben auf die Gruppe ankommt und das von vornherein sichergestellt sein muss, dass jeder Künstler auch jede Information hat. Und außerdem, dass Kompromisse durchaus wichtig sind und sich kaum vermeiden lassen und als Geste gelesen werden müssen, dass es aber ebenso wichtig ist, die jeweils eigene Position zu kennen, zu definieren und letztlich zu vertreten.
Die gesamte Vorbereitungsphase war darüber hinaus von unglaublicher Eigeninitiative seitens der Künstler geprägt, vor allem was den Druck und die Verteilung der Plakate und Flyer, den Entwurf der limitierten Taschenkollektion und die Finanzierung des gesamten Projekts inklusive der Vernissage anging. Lars und David haben von jedem Teilnehmer einen Geldbetrag eingesammelt von dem sowohl die Wandfarbe als auch ein Teil der Getränke und Verpflegung für die Vernissage finanziert werden konnten. In Anbetracht kursierender Stimmen, soll an dieser Stelle klar gestellt werden, dass galerieherzblut grundsätzlich kein Geld von Künstlern verlangt, damit sie ausstellen können. Es handelte sich in diesem Fall rein um die Eigenfinanzierung der Künstler. So gewährleistete die finanzielle Beteiligung der Künstler vor allem diverse Freigetränke am Eröffnungsabend als vereinbarter Teil des Konzepts.
Die Plakate wurden per Siebdruckverfahren bei Michael Botor an der HBK produziert. Das Papier, auf dem gedruckt wurde, kam als Spende. Mit dem Flyerentwurf und dem Druck der Plakate stand schließlich auch der Ausstellungstitel. Solarium ist nicht nur als ironischer Kommentar auf die Sonnenbank-Kultur zu verstehen, sondern auch als pseudo-astronomischer Begriff, der im Wesentlichen auf eine Kreisform zurückzuführen ist, aber gleichzeitig etwas wenig greifbares bleibt und damit stellvertretend auch für den Freundeskreis der Künstler stehen kann.
Die Gestaltung des Galerieraums erfolgte auch als Zusammenarbeit. Zwei Galeriewände wurden in einem dunklen Petrol gestrichen – den ersten Anstrich machten die Künstler, den zweiten die Galerie. Am Abend vor der Vernissage wurde schließlich gehängt. Besonders schön war an diesem Abend die Tatsache, dass viele der Künstler auch tatsächlich vor Ort waren. Um den Druck des Plottertextes für das Schaufenster haben sich ebenfalls die Künstler gekümmert und auch selbst angebracht. Auch bot dieser Abend die Möglichkeit, die Künstler kennenzulernen, da man viele nur vom sehen oder als Name kannte. Was die letztendliche Hängung angeht, waren sich Galerie und Künstler einig, dass eine Petersburger Hängung durchaus als Orientierung dienen kann, das alleine aber nicht aussagekräftig genug ist. Die Pyramidenform entsteht schließlich relative spontan. Die Ausstellungsstücke befanden sich zunächst an die Wände gelehnt auf dem Galerieboden. Lars nahm ein Werk eines anderen Künstlers und platzierte es in der unteren rechten Ecke. Schließlich platzierte jeder der anwesenden Künstler jeweils ein Werk eines anderen Künstlers und setzte die Hängung so individuell fort.
Ausstellung Solarium
Mit der Vernissage am 9. Juni 2011 wurde die Ausstellung Solarium schließlich eröffnet. Vorab kann gesagt werden, dass es im Hinblick auf die Anzahl der Gäste eine der größten Veranstaltungen wurde, die je in der Galerie stattgefunden haben. Zurückzuführen ist dies wohl vor allem auf die Tatsache, dass jeder Künstler nicht nur Teil des HBK-Freundeskreises ist, sondern darüber hinaus auch Teil von anderen Freundeskreisen. Viele der Gäste waren Bekannte, viele aber auch zum ersten Mal in der Galerie. Es kam nicht nur zu einem Austausch zwischen den einzelnen Studiengängen, sondern auch zu interessanten Gesprächen über Kunst und Hängung und Wandfarbe.
Die Vernissage konnte trotz eines relativ abrupten Endes als vollster Erfolg verbucht werden: Es sind neue Kontakte und Freundschaften entstanden und man hatte am Ende das Gefühl, ein bisschen mehr angekommen zu sein.
Die folgenden drei Wochen Ausstellungszeit verliefen ruhig aber erfolgreich. Tatsächlich war diese Ausstellung verhältnismäßig gut besucht, sodass Vera und Lisa auch außerhalb der regulären Öffnungszeiten Besucher empfangen konnten. Auch kamen die Künstler teilweise mehrfach vorbei, um die Ausstellung Freunden und Familie unabhängig von der wilden Vernissage nochmal in Ruhe zu zeigen.
Die Finissage am 30. Juni war ruhig und unkompliziert. Im Hinblick auf das geplante Galerieprojekt zum Rundgang 2011 haben Vera und Lisa die Künstler gebeten, mit der Abholung ihrer Arbeiten nicht zu lange zu warten, da für den Aufbau zum Rundgang nur vier Tage blieben.
Tatsächlich wurde noch am Abend der Finissage die komplette Galerie abgehängt und es gab die Möglichkeit sich noch einmal gegenseitig Feedback zu geben. Von Seiten der Künstler steht einer Wiederholung nichts im Wege. Alle waren sehr zufrieden sowohl mit dem Raum als auch mit dem Ablauf und der Zusammenarbeit insgesamt.
Was vor allem zählt ist die Geste des voneinander Profitierens, sich gegenseitig zu unterstützen und zusammen zu arbeiten.