sterngucker

Braunschweiger Art Parcours No. 1
29.6. – 9.7.2007

Das Projekt »Sterngucker« ist der Beitrag der HBK-Studenten Stefan Senger und Jonas Laugs zum »PlakArt+ - Braunschweiger Art Parcours No. 1«, der vom »Verein Inside Out e.V.« organisiert worden war. Zwischen dem 29. Juni und dem 9. Juli 2007 hatten 23 Künstler aus Braunschweig oder mit Braunschweigbezug die Möglichkeit, auf 55 Plakatwänden, Videoboards und Litfaßsäulen ausgewählte Werke zu präsentieren und sie so einer breiten Öffentlichkeit vorstellen zu können.


Der nächtliche Sternenhimmel ist schon seit Urzeiten für Menschen in allen Teilen der Welt Quelle der Inspiration und Projektionsfläche für Mythen und Legenden. Neben den uns heute allgemein bekannten Konstellationen aus dem westlichen Kulturkreis haben zum Beispiel asiatische, afrikanische und arabische Völker besonders auffällige Sterne am Himmel mit Bildern und Geschichten verknüpft. Die Menschen richteten ihren Lebensrhythmus seit jeher nach dem Lauf der Gestirne: so bestimmten Bauern mit ihrer Hilfe den richtigen Zeitpunkt zum Bestellen ihrer Felder und für Generationen von Seefahrern waren die Sterne Navigationshilfe auf ihren Reisen. Eine der ältesten Quellen der westlichen Sternbilder ist ein Katalog mit 48 Konstellationen, der »Almagest«, den der Grieche Ptolemäus ca. 150 n. Chr. verfasste.
Seitdem wurden von verschiedenen Astronomen 40 weitere Sternbilder hinzugefügt. Aber auch die Sternbilder der alten Griechen beruhten wahrscheinlich auf Konstellationen, die schon den Babyloniern und deren Vorfahren, den Sumerern (ca. 2000 v. Chr.), bekannt waren und die von dort – vielleicht über Ägypten – nach Griechenland gebracht wurden. Zu den wichtigsten Sternbild-Mythographen gehört Aratos (ca. 315–245 v. Chr.), der mit seinem Gedicht »Phainomena« eine der ältesten Quellen der Sternsagen schuf. Von Bedeutung ist auch der Grieche Eratosthenes (ca. 276–194 v. Chr.), der in seinen »Katasterismen« die Mythologie von 42 Sternbildern darlegte und die Hauptsterne jedes Sternbildes benannte. Der Römer Hygin (ca. 2.Jh.) erweiterte in seiner »Poetica Astronomica« diesen Legendenkosmos. Im 8. Jh. verlagerte sich das astronomische Schaffen nach Bagdad, wo Al-Sufi (903–986) das Werk des Ptolemäus ins Arabische übersetzte und viele Sternnamen, die in der arabischen Welt eine größere Bedeutung haben, hinzufügte.
Die erste bedeutende europäische Sternenkarte zeichnete Albrecht Dürer 1515, bei der er sich auf den »Almagest« des Ptolemäus stützte. In neuerer Zeit kam vor allem seefahrenden Astronomen große Bedeutung zu, die den südlichen – für die Griechen unsichtbaren – Sternenhimmel kartographierten und mit Sternbildern versahen. Zu nennen ist vor allem Pieter Dirkszoon Keyser (auch Petrus Theodorus genannt, 1540–1596), der auf seinen Reisen Sternbilder schuf, die 1598 auf dem Himmelsglobus von Petrus Plancius (1552–1622) dargestellt wurden. Zusammen mit Frederick de Houtman (1571–1627) fügte Keyser dem Kanon zwölf neue Konstellationen hinzu, die Johann Bayer 1603 in seiner wegweisenden »Uranometria« aufnahm. Von ihm stammt auchdas Prinzip, die einzelnen Sterne der Sternbilder nach Helligkeit zu ordnen und mit griechischen Buchstaben zu bezeichnen. Im 17. Jh. füllte Johannes Hevelius (1608–1687) die Lücken im nördlichen Himmel mit elf weiteren Sternbildern, von denen sich sieben bis heute erhalten haben. Den Rest der südlichen Hemisphäre ergänzte der Franzose Nicolas Louis de Lacaille (1713–1762) mit Sternbildern, die er hauptsächlich nach Instrumenten aus dem wissenschaftlichen Kontext benannte.
Die heute anerkannten 88 Sternbilder wurden 1922 von der »Internationalen Astronomischen Union« nebst den genauen Grenzen zwischen den Sternbildern (1925) festgelegt. Trotz dieser Absprachen unterscheiden sich die Verbindungslinien, die im allgemeinen zwischen den einzelnen Sternen eines Sternbildes gezogen werden, in den verschiedenen Quellen. In einer klaren, mondlosen Nacht lassen sich mit bloßem Auge ca. 2000 Sterne und bis zu vier Planeten am Himmel ausmachen: Venus, Mars, Jupiter und Saturn. Das Blinken und Changieren der Farbe der Himmelskörper wird durch Bewegungen innerhalb der Erdatmosphäre verursacht. Die scheinbare Helligkeit eines Sterns hängt von zwei Faktoren ab: zum einen von seiner Leuchtkraft und zum anderen von seiner Entfernung zum Betrachter, so daß helle aber weiter entfernte Sterne dunkler wirken als nahe aber schwächere. Auch liegen die Sterne innerhalb der Konstellationen bis auf wenige Ausnahmen nicht in einer Ebene, sie sind meist sehr weit voneinander entfernt. Alle Sternbilder unseres Himmels setzen sich aus Sternen unserer Galaxie, der Milchstraße, zusammen – andere Galaxien sind von der Erde aus mit bloßem Auge kaum zu erkennen.
Die hier vorgestellten sind eine Auswahl der zur Zeit sichtbaren Sternbilder. Genauso sind die dargelegten mythologischen Hintergründe auf einige der vielen Geschichten beschränkt, die sich im Laufe der Jahrhunderte um die Sternbilder gebildet haben. Bei den Illustrationen haben wir uns dagegen entschieden, die Bilder wie sonst üblich an die Form der Konstellationen anzupassen. Eine genaue Übertragung auf die schematischen Bilder ist allzuoft erzwungen und nimmt dem Betrachter den Raum für die eigene Phantasie.